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Epikur
Zum Leben und Werk von Epikur siehe >>> hier Texte von Epikur: Gewöhne dich ferner daran zu glauben, dass der Tod nichts sei, was uns betrifft. Denn alles Gute und Schlimme ist nur in der Empfindung gegeben; der Tod aber ist die Vernichtung der Empfindung. Daher macht die richtige Erkenntnis - der Tod sei nichts, was uns betrifft - die Sterblichkeit des Lebens erst genußfähig, weil sie nicht eine unendliche Zeit hinzufügt, sondern die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit von uns nimmt. [...] Das Schauererregendste aller Übel, der Tod, betrifft uns überhaupt nicht; (denn) wenn "wir" sind, ist der (eigene) Tod nicht da; (und) wenn der (eigene) Tod da ist, sind "wir" nicht (mehr). Er betrifft also weder die Lebenden noch die Gestorbenen, da er ja für die einen nicht da ist, die anderen aber nicht mehr für ihn da sind. Doch die Masse flieht bisweilen den Tod als das größte aller Übel, bisweilen ersehnt sie ihn als Erholung von allen Übeln im Leben. Der Weise indes weist weder das Leben zurück, noch fürchtet er das Nichtleben; denn weder ist ihm das Leben zuwider, noch vermutet er das Nichtleben sei ein Übel. Wie er als Speise nicht in jedem Fall die größere, sondern die am meisten lustspendende vorzieht, so schöpft er auch nicht eine möglichst lange, sondern eine möglichst lustspendende Zeit aus. [...] Denn eine unbeirrte Beobachtung dieser Zusammenhänge weiß ein jedes Wählen und Meiden zurückzuführen auf die Gesundheit des Körpers (hygièia somatos) und die denn dies ist das Ziel des glücklichen Lebens. Um dessentwillen tun wir ja alles, damit wir weder Schmerz noch Unruhe empfinden. Denn nur dann haben wir ein Bedürfnis nach Lust [1] wenn wir deswegen, weil uns die Lust fehlt, Schmerz empfinden; wenn wir aber keinen Schmerz empfinden, bedürfen wir auch der Lust nicht mehr. Gerade deshalb ist die Lust, wie wir sagen, Ursprung und Ziel [2] des glücklichen Lebens. Denn sie haben wir als erstes und angeborenes Gut [3] erkannt, und von ihr aus beginnen wir mit jedem Wählen und Meiden, und auf sie gehen wir zurück, indem wir wie mit einem Richtscheid mit der Empfindung ein jedes Gut beurteilen. Und gerade weil dies das erste und in uns angelegte Gut ist, deswegen wählen wir auch nicht jede Lust, sondern bisweilen übergehen wir zahlreiche Lustempfindungen, sooft uns ein übermäßiges Unbehagen daraus erwächst. Sogar zahlreiche Schmerzen halten wir für wichtiger als Lustempfindungen, wenn uns eine größere Lust darauf folgt, dass wir lange Zeit die Schmerzen ertragen haben. Jede Lust also ist, weil sie eine verwandte Anlage hat, ein Gut, jedoch nicht jede ist wählenswert; wie ja auch jeder Schmerz ein Übel ist, aber nicht jeder ist in sich so angelegt, dass er immer vermeidenswert wäre. Doch durch vergleichendes Messen und den Blick auf Zuträgliches und Unzuträgliches ist dies alles zu beurteilen. Denn wir verfahren mit dem Gut zu bestimmten Zeiten wie mit einem Übel, mit dem Übel ein andermal wie mit einem Gut. [...] Für all dies ist die Einsicht [4] Ursprung und höchstes Gut. Daher ist die(se) Einsicht sogar wertvoller als die (bisherige) Philosophie; denn ihr (dieser Einsicht) entstammen alle übrige Tugenden, weil sie lehrt, dass es nicht möglich ist, lustvoll zu leben, ohne einsichtsvoll, vollkommen und gerecht [5] zu leben, ebenso wenig, (einsichtsvoll, vollkommen und gerecht), ohne lustvoll zu leben. Denn die Tugenden sind ursprünglich verwachsen mit dem lustvollen Leben, und das lustvolle Leben ist von ihnen untrennbar. Epikur (341 - 271 v .u. Z.), Brief an Menoikeus, übersetzt und herausgegeben von H.-W. Krautz, Reclam Stuttgart 1980, S. 43 ff . (Zum besseren Verständnis sind von mir in Klammern kleine Ergänzungen hinzugefügt worden, re-wi) Anmerkungen: [1] griech.: hèdonè ist von unserem heutigen Lustbegriff sehr verschiede, hèdonè bedeutet bei Epikur lediglich die Abwesenheit von Schmerz [2] griech.: archè und telos [3] griech.: agathon ist bei Epikur das Gut im Sinne von "hoher Wert" [4] griech.: phronesis = Einsicht, Klugkeit, Gesinnung [5] einsichtsvoll = phronimos; vollkommen = kalos (sittlich gut, ehrenhaft aber auch schön); gerecht = dikaios
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